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Geschrieben (bearbeitet)

 RELEASE 27.03.2025 | PLATTFORM PS5, PS4 | ENTWICKLER Rebellion Developments | PUBLISHER Rebellion Developments | GENRE First-Person Survival-Adventure 

 

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Atomfall – Rebellion kann auch anders

 

Mit Atomfall bringt Rebellion seine erste neue IP seit Strange Brigade auf den Markt. Nachdem die letzten Veröffentlichungen des englischen Entwicklers nicht gerade durch Innovationen geglänzt hatten, weicht man mit Atomfall von der gewohnten 3rd-Person-Koop-Shooter-Formel ab und versucht sich diesmal an einem reinen Single-Player-Spiel aus der First-Person-Perspektive. Dabei diente unter anderem der folgenschwere Unfall im Atomkraftwerk Windscale im Jahr 1957 als Inspirationsquelle. Nicht überraschend sprachen viele nach ersten Gameplay-Eindrücken aus den vor Release veröffentlichten Trailern von einem englischen Fallout oder Stalker. Gibt es also wieder nur Altbewährtes im neuen Gewand von den englischen Entwicklern oder wagt man mit Atomfall tatsächlich etwas Neues? Die Antworten darauf findet ihr in unserem Test.

Langsamer Leser: ca. 20 min, durchschnittlicher Leser: ca. 14 min, schneller Leser: ca. 9 min

 

 

Es ist alles eine Frage der Einstellung

Vor dem Start kann man aus 5 voreingestellten Schwierigkeitsgraden wählen oder diese individuell anpassen. So kann man den Kampf durch Reduktion der Gegner-Aggressivität, -Anzahl oder Widerstandsfähigkeit vereinfachen oder gezielt die Herausforderung beim Erkunden erhöhen, indem man z.B. die Marker auf den Karten entfernt oder die Schwierigkeit beim Überleben (Gesundheitsregeneration, Verfügbarkeit von Heilitems etc.) anpasst. Die Entwickler selbst empfehlen übrigens den zweithöchsten Schwierigkeitsgrad. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten bei Gameplay, Steuerung, Audio und Zugänglichkeit, wie z.B. die Schriftgröße der Untertitel (das Spiel hat eine englische Sprachausgabe mit deutschen Untertiteln) - mehr dazu gibt es später noch im Abschnitt Barrierefreiheit. Somit sollte jeder die Möglichkeit haben, das Spiel zu meistern. Eine angenehme Abwechslung zum Soulslike-Trend der letzten Jahre! Einen Charaktereditor gibt es hingegen nicht, was bei einem First-Person-Spiel aber kein Beinbruch ist und den Vorteil hat, dass man gleich mit dem Spiel loslegen kann.

 

Wer und wo bin ich?

Wir beginnen unsere Reise in einem heruntergekommenen Bunker. Unser offensichtlich an Amnesie leidender Protagonist hat keine Ahnung, wie er hierhergekommen ist, oder wer er eigentlich ist. Es bleibt aber nicht viel Zeit, sich über die essenziellen Fragen des Lebens Gedanken zu machen, da ein schwer verwundeter Wissenschaftler im ABC-Abwehranzug inkl. Gasmaske in den Raum stolpert und uns um Hilfe bittet. Ein Verband könnte seine Blutung stillen, aber woher nehmen? In unserem Rucksack herrscht (noch) gähnende Leere und Erste-Hilfe-Kasten ist auch keiner zu finden. Da gibt uns der Gasmaskenmann einen entscheidenden Tipp: aus Alkohol und ein paar Stofflappen könnte man einen Verband basteln. Damit wird ein wichtiges Spielelement, das Craften von Gegenständen nach Rezepten, gleich zu Beginn eingeführt. Im Laufe des Spiels schaltet man durch das Finden oder Eintauschen von Rezepten immer mehr nützliche Gegenstände frei, die, sofern man die dafür benötigten Materialien im Inventar hat, mittels Drücken der  :v:-Taste im Crafting-Menü unkompliziert hergestellt werden können.

Wir machen uns also auf den Weg, um im Bunker nach nützlichen Gegenständen zu suchen. Tatsächlich finden wir eine Flasche mit Whisky und ein paar Teile Stoff, die wir dann gleich zu einem Verband verarbeiten und an unseren blutenden Wissenschaftler übergeben. Der zeigt sich erleichtert und gibt uns ein paar wichtige Informationen mit auf den Weg. Demnach befinden wir uns in der Quarantäne-Zone rund um das Atomkraftwerk Windscale, die nach einem schweren Unfall im AKW vor 5 Jahren hastig errichtet wurde, und aus der es offensichtlich keinen Ausgang gibt. Da der Verwundete trotz unserer Fürsorge nicht davon ausgeht, seine Verletzung zu überleben, gibt er uns seine modifizierte Schlüsselkarte, mit der Bitte, den Eingang zum "Übergang" zu finden und die Wahrheit über Windscale aufzudecken. Ein paar weitere Informationen befinden sich in einer Notiz, die er uns übergibt. Notizen bzw. sogenannte Hinweise sind ein weiteres zentrales Spielelement, auf das wir gleich zu sprechen kommen.

Wir lassen unsere Kurzzeitbekanntschaft also zurück und schauen uns im Bunker nach einem Ausgang um. Dabei nehmen wir alles Nützliche, das wir unterwegs finden können (Crafting-Materialien, Essen, Heilitems und unser erstes Sammelitem, eines von 10 Comic-Heften), mit.

Wir finden aber auch den ersten Gegner, einen Gesetzlosen, der wohl der Grund für die Stichwunde unseres Kollegen gewesen ist. Zu diesem Zeitpunkt besitzen wir noch keine Waffe, eine direkte Konfrontation ist daher nicht unbedingt ratsam. Das Schleichen und Umgehen von Gegnern funktionieren recht gut, solange man genügend weit von den Gegnern weg ist. Die Aufmerksamkeit der Gegner wird durch einen Kreisbogen, der in die Richtung des Gegners zeigt, dargestellt: bei Weiß wird der Feind aufmerksam, bei Gelb macht er sich aktiv auf die Suche nach uns und bei Rot greift er an. Es gibt beim Schleichen ähnlich wie bei der Sniper-Elite-Reihe auch die Möglichkeit, einen tödlichen Melee-Kill auszulösen, wenn man sich unbemerkt von hinten an den Feind heranschleicht. Gesagt, getan und so sind wir zumindest vorerst wieder sicher.

Der Übergang findet sich aber nicht von selbst, daher geht es erstmals hinaus in die Welt von Atomfall.

 

Die Freiheit, die ich meine

Was beim Betreten der Außenwelt gleich auffällt: von einer teilweise vollkommen zerstörten Landschaft wie bei Fallout oder einer düsteren Atmosphäre wie bei Stalker oder Chernobylite ist nichts zu sehen. Stattdessen ist die Natur praktisch vollkommen intakt und es überwiegt saftiges Grün, wie man es von dieser Gegend Englands (Cumbria, Lake District) gewöhnt ist und die von Rebellions eigener Asura Engine großartig in Szene gesetzt wird.  Aufgrund des Openworld-Charakters müssen zwar im Vergleich zu den etwas kleineren Karten der Sniper-Elite-Reihe Abstriche bei der Auflösung der Texturen gemacht werden, aber das fällt nur selten negativ auf. Ein wenig stören auch die, wenn auch kurzen Ladezeiten beim Betreten von etwas größeren Gebäuden, Kellern oder Untergrundpassagen.

Etwas untypisch für England ist, dass es während des gesamten Spiels nie regnet und immer die Sonne scheint, da es im Spiel kein Wettersystem und auch kein Tag-/Nachtsystem gibt. Das ist insofern nicht ganz verständlich, als Regen und Missionen bei Nacht bei der Sniper-Elite-Reihe zum Standard-Repertoire gehören.Atomfall_Slattendale_Phonebooth.jpg.0c36ff9c31a98acfcb39d7d5b778bcfb.jpg

In der vermeintlichen grünen Idylle deuten allerdings vereinzelte mutierte, blau schimmernde Pflanzen oder Tierkadaver darauf hin, dass etwas nicht stimmt, und das zerstörte Windscale-AKW im Hintergrund, von dem seltsame blaue Schimmer gegen den Himmel leuchten, sieht auch etwas verdächtig aus.

Ein paar Meter nach dem Bunkerausgang treffen wir auf ein weiteres, typisch englisches Merkmal: eine rote Telefonzelle. Nähert man sich ihr, klingelt es plötzlich. Am anderen Ende der Leitung hört man eine etwas verzerrt klingende Stimme, die nur drei Wörter spricht, bevor die Leitung unterbrochen wird: "Oberon muss sterben!" Wir haben einen neuen Hinweis! Aber wer oder was ist Oberon?

Wie bereits erwähnt, sind Hinweise ein zentrales Gameplay-Element von Atomfall. Die Hinweise, die im Notizbuch thematisch gruppiert aufgelistet sind und einzeln verfolgt werden können, ersetzen das klassische Quest-System. Das bedeutet vor allem, dass es in den meisten Fällen mehrere Hinweise gibt, die einen zum entsprechenden Ziel führen und dass man nicht alle Hinweise zu einem Thema finden muss, um den Auftrag/die Aufgabe zu lösen. Vielmehr geben sie eine bestimmte Richtung vor, die man verfolgen kann, um ein Ziel zu erreichen. Dementsprechend kommen recht schnell viele Hinweise zusammen, sodass man sich zu Beginn etwas überfordert fühlen kann, da man nicht so recht weiß, welchen Hinweis man als Erstes verfolgen soll.

Wenn man sich aber an das System gewöhnt hat, lernt man auch recht schnell seine Vorteile zu schätzen. Dadurch, dass es keine fixen Quests gibt (auch wenn man vereinzelt von NPCs Aufträge bekommt, Gegenstände zu holen oder Nachrichten zu überbringen), ist man in seinem Handeln viel freier als bei jeweils in sich abgeschlossenen Quests. So ist es z.B. jedem selbst überlassen, ob man den Hörer abhebt oder nicht (für eine Trophäe muss man allerdings das Spiel beenden, ohne ein einziges Mal an das Telefon gegangen zu sein). Geht man ans Telefon, erfährt man von der Stimme im Spielverlauf weitere wichtige Informationen (es gibt in jedem Bereich einige rote Telefonzellen, die öfters läuten, wenn man daran vorbeigeht) und am Ende erhält man auch die Möglichkeit, mithilfe der Stimme die Quarantänezone zu verlassen. Ignoriert man die roten Zellen, kann man dieselben oder ähnliche Informationen auch durch Erkundung von diversen Bunkern und Kellern oder Gespräche mit NPCs erhalten und einige dieser NPCs können in weiterer Folge auch alternative Wege zum Verlassen der Zone ermöglichen. Dieses System harmoniert auch sehr gut mit dem Erkundungsaspekt des Spiels. Dadurch, dass in jedem Bunker, Keller, Gebäude (ob verlassen oder nicht) oder versteckten Höhle wertvolle Materialien und Hinweise zu finden sein könnten, wird man über die gesamte Spieldauer zum genauen Erkunden motiviert. Spieler, die gerne mit den Möglichkeiten eines Spiels experimentieren wollen, können sich hier also austoben. Für jene unter euch, die lieber gerne für ihre Quests von A nach B laufen, um dort C zu holen, könnte dieses System zumindest anfangs zu Frust führen. Im Vorfeld haben die Entwickler auch betont, dass sie hier etwas Neues ausprobieren wollten und noch nicht wissen, ob es wirklich funktioniert. Der Autor dieser Zeilen kann dazu zumindest aus eigener Erfahrung sagen: Es funktioniert, wenn man sich darauf einlässt.

 

Wer suchet, der findet – aber nicht nur Gutes

Zu Beginn wissen wir aber nur, dass wir den Übergang finden sollen und Oberon sterben muss. Eine Waffe wäre allerdings auch nicht schlecht. Dank des Map-Designs der Entwickler dauert es nicht lange, bis wir unsere erste Waffe finden oder tauschen können, vorausgesetzt, wir gehen mit offenen Augen durch die Welt von Atomfall und erkunden alles gründlich. Im Spiel gibt es Nahkampfwaffen, die man auch als Wurfwaffen benutzen kann, Fernwaffen wie Pistolen, MGs, Gewehre, Schrotflinten und Bögen. Die gefundenen Feuerwaffen sind meist von schlechter Qualität, aber mit einer passenden Fertigkeit (zum Level-System später mehr) kann man dann im weiteren Spielverlauf seine Waffen um insgesamt zwei Stufen aufwerten. Das Gunplay ist solide, kann aber nicht mit dem Niveau von Sniper Elite mithalten. Puristen können auch nur mit Fäusten kämpfen und dabei auch einen Spartaner-Kick ausführen, um sich kurzfristig etwas Raum zu schaffen. Generell wird es vor allem auf höheren Schwierigkeitsgraden bei mehreren Gegnern recht schnell kritisch. Daher ist auch mit guter Ausrüstung ein offener Kampf oft nicht die beste Option, selbst wenn das den Nachteil hat, dass man keine Ressourcen von den erledigten Gegnern looten kann.

Schon bald treffen wir in der Außenwelt auch auf erste NPCs. Ähnlich wie bei Fallout und anderen Rollenspielen haben wir in den Gesprächen die Möglichkeit, aus verschiedenen Optionen zu wählen. Neben verschiedenen Fragestellungen kann man dabei auch immer wieder unterschiedlich an eine Frage herangehen, indem man z.B. höflich um etwas bittet oder unter Androhung von Gewalt seinem Gegenüber etwas abnehmen will. Nicht immer ist jede Option erfolgreich und somit hängt es vom Gesprächsverlauf ab, ob man neue Hinweise oder Gegenstände bekommt oder eine Abfuhr oder Schlimmeres.

Atomfall_Nat_Buckshaw.jpg.00d29bd7c47422d10a40b4ce1556f626.jpgEinige NPCs handeln auch. Dazu legt man den Gegenstand der Begierde auf eine virtuelle Waage und legt so lange Gegenstände aus seinem Inventar darauf, bis die Waage ausgeglichen ist oder zu Gunsten des Händlers ausschlägt. Dabei sollte man sich so schnell wie möglich einen Metalldetektor zulegen, sofern man keinen beim Erkunden findet. In allen Bereichen sind kleine Metallkisten versteckt, die verschiedene nützliche Dinge und manchmal auch Rezepte beinhalten können. Das Aufspüren ist für den Spielfortschritt nicht unbedingt notwendig, erleichtert aber das Vorankommen, da man damit zusätzliche Ressourcen bekommt. 

Manche Händler geben einem nach erfolgreichem Handel auch einen Hinweis, der wiederum zu weiteren nützlichen Gegenständen oder Fortschritt in der Geschichte führen kann. Besonders wertvoll sind Hinweise zu möglichen Eingängen in den Übergang und zu einem essenziellen Gadget, dem Signalumleiter. Das Ding ermöglicht es uns, Strom zu verschiedenen Geräten und Türen umzuleiten oder Geschütztürme zu deaktivieren. Im späteren Spielverlauf ist ein Vorankommen ohne Signalumleiter gar nicht möglich. Aber keine Angst, das Spiel gibt euch mehrere Möglichkeiten, an das Wunderding zu kommen.

Nicht alle NPCs sind uns gegenüber friedlich eingestellt. Neben diversen Umgebungsgefahren, die oft durch das Lösen von kleinen Umgebungsrätseln umgangen oder gänzlich beseitigt werden können und vereinzelten Schwärmen von Vögeln, Fledermäusen oder mutierten Bienen sind es wie fast immer andere Menschen, von denen die größte Gefahr ausgeht. In den meisten Bereichen der Quarantänezone herrscht Anarchie. So treiben sich in Slatten Dale und Skettermoore Gesetzlose herum, die einen bei Sicht angreifen. Ähnlich verhält es sich mit den Druiden, die im Unfall im AKW eine Chance sehen, wieder eins mit dem Boden zu werden und sich hauptsächlich im Casterfell-Wald aufhalten. Einzig im Dorf Wyndham (sehr schön mit typischen, aus Steinen erbauten Gebäuden) herrscht so etwas wie Recht und Ordnung, da hier das Protokoll, eine Abteilung der Armee, die in der Quarantänezone gestrandet ist, das Sagen hat. Wie so oft in solchen Situationen nutzen die bewaffneten Soldaten ihre Macht aber auch aus, um die lokale Bevölkerung zu unterdrücken, alles natürlich nur zum Wohle ihrer Sicherheit, versteht sich. Die Armee verfügt über Kampfroboter, ein Ergebnis der in Windscale betriebenen Forschungsaktivitäten, die auch in Skettermoore, wo sich die Basis des Protokolls befindet, patrouillieren. Mit den Protokollsoldaten und den Druiden im Wald kann man sich zu einem gewissen Grad arrangieren, die Gesetzlosen schießen immer, bevor sie Fragen stellen.

 

Weiterentwicklung – Dank der Wissenschaft

Bei der Charakterentwicklung beschreitet Atomfall auch etwas andere Wege, als man das von Spielen mit RPG-Elementen gewohnt ist. Insgesamt gibt es 36 Fertigkeiten, die unser Charakter im Verlauf des Spiels erlernen kann. Zu Beginn sind aber nur 12 davon verfügbar. Weitere Fertigkeiten schaltet man erst frei, wenn man ein entsprechendes Fertigkeitenbuch gefunden und gelesen hat. Solche Bücher findet man teilweise in der Welt oder kann sie bei Händlern erstehen. Atomfall bietet prinzipiell die Möglichkeit, sich das gesamte Inventar eines Händlers mit Gewalt zu holen. Händler bekommen im Laufe des Spiels aber immer wieder neue interessante Waren ins Sortiment, daher sollte gut überlegt werden, ob man einen Händler wirklich wegen eines Gegenstands dauerhaft aus dem Spiel nehmen will. Hat man eine Fertigkeit freigeschaltet, muss man sie aber erst durch die Einnahme von Trainingstimulanzien, ein Nebenprodukt der in Windscale betriebenen Forschung, erlernen. Diese Stimulanzien erhält man aber nicht durch Lösen von Hinweisen, sondern finden sich meist in den Bunkern in Kisten des British Atomic Research Departments, kurz B.A.R.D. genannt. Auch hier wird das Erkunden entsprechend belohnt.

 

Viele Wege führen in den Übergang

Mit der Anzahl an Hinweisen steigt auch die Anzahl an Markierungen auf unserer Karte, die man dann nach und nach erkunden kann. Darunter sind auch immer mehr Hinweise zu vermeintlichen Eingängen zum Übergang. Tatsächlich gibt es in jedem der vier Hauptgebiete, Slatten Dale (Startgebiet), Skettermoore, dem Ort Wyndham und Casterfell-Wald einen Zugang zum Übergang. Welchen man zuerst findet, hängt einerseits davon ab, in welche Richtung man sich auf den Maps zu Beginn bewegt, welche Hinweise man dabei findet und welchen davon man schlussendlich folgt. Es gibt dabei keine "gute" oder "schlechte" Reihenfolge, wichtig ist nur, dass man alle Eingänge findet. Hat man einen Eingang gefunden, kann man die modifizierte Schlüsselkarte des Wissenschaftlers nutzen, um das massive Tor zum Übergang zu öffnen. Atomfall_Interchange_Door_open.jpg.c1a5cd1b8afbabe8e8d6da791e9d1f01.jpgParallelen zu einem bekannten post-apokalyptischen Rollenspiel sind dabei vermutlich nicht zufällig. Neben den Zugangstüren haben die Damen und Herren von Rebellion noch ein richtiges Fallout-Easter-Egg eingebaut. Ihr werdet wissen, worum es geht, wenn ihr das erste Mal eines findet. 

Mit dem Öffnen der Eingänge ist es aber natürlich nicht getan, denn jetzt gilt es, herauszufinden, was hier vor 5 Jahren passiert und wer dafür verantwortlich ist. Ähnlich wie in der Außenwelt gibt das Spiel aber auch hier nur Stück für Stück seine Geheimnisse preis, bis man auch das Geheimnis rund um Oberon lüften kann. Je nachdem, mit wem man sich im Laufe des Spiels zusammengetan hat, kann man dann entscheiden, was man damit anstellt.

Wenn man wirklich alles genau erkundet, wird man die Credits nach etwa 20 bis 25h sehen. Die Tatsache, dass es auch eine Speedrun-Trophäe für einen Durchgang unter 5h gibt, zeigt allerdings auch, dass das Erkunden das Kernelement des Spiels ist und keine vielschichtige, komplexe Geschichte.

 

Barrierefreiheit

Die Einstellungen für Barrierefreiheit sind bei "Atomfall" äußerst umfangreich. Es gibt umfassende Einstellungen für Texte (Untertitel, Menüs, Tutorials etc.) wie Textgröße und -farbe, einen Modus für Farbenblinde, Möglichkeiten, die Bewegungsschärfe ein- oder auszuschalten und vieles mehr. Abgesehen von den bereits oben erwähnten individuellen Anpassungen für die Schwierigkeit gibt es zusätzliche Einstellungen für die Zielhilfe oder Quality-of-Life-Einstellungen wie die Häufigkeit für automatisches Speichern, die Pausierung des Spiels bei Aufrufen des Inventars oder automatisches Nachladen. Darüber hinaus kann die Empfindlichkeit der Kamera oder die Bewegungsschärfe bei schnellen Kamerabewegungen eingestellt sowie die X- und Y-Achse invertiert werden. Im Audio-Bereich können neben der Gesamtlautstärke auch die Lautstärken verschiedenster Geräusche, Sprache, Musik und Trefferrückmeldung individuell eingestellt werden. Last but not least gibt es Unterstützungsoptionen für die Steuerung (z.B. Dauerfeuer bei Waffen, automatisches Triggern von Ladepunkten, wenn man ein Gebiet verlassen will) und Audiounterstützung für das Finden von Zielen oder Interaktionsobjekten.

 

Trophy-Check

Das Spiel hat inklusive Platin 37 Trophäen (6 Gold, 4 Silber und 26 Bronze) zu bieten. Auf den ersten Blick scheinen einige Spieldurchgänge nötig zu sein, da man mit insgesamt sechs verschiedenen Personen die Quarantänezone verlassen muss. Tatsächlich kann man sich aber mit einigen Saves kurz vor Schluss alle Enden nacheinander erspielen, sofern man davor die NPCs so weit gebracht hat, dass sie bei der Flucht aus der Zone helfen. Ein zweiter Spieldurchgang ist aber wegen der Trophäen "Schneller Ausstieg", für die man das Spiel unter 5 Stunden beenden muss, und "Keine Zeit zum Telefonieren", für die man das Spiel beenden muss, ohne ein einziges Mal ein klingelndes Telefon abgehoben zu haben, nötig. Der Speedrun ist aber kein Problem, da man bei niedrigem Schwierigkeitsgrad buchstäblich durch das Spiel rennen kann und gezielt jene Hinweise verfolgt werden können, die einen rasch zu einem der fünf Enden (das 6. Ende mit der Stimme am Telefon fällt weg) führen. Der Verfasser dieser Zeilen war in knapp vier Stunden am Ziel. Neben Trophäen für bestimmte Kills, einigen Kampftrophäen und Sammeltrophäen gibt es einige storybedingte Trophäen für das Erreichen des Übergangs und der Aktivierung seiner insgesamt vier Bereiche. Die offensichtliche Liebe oder auch Nicht-Liebe für Gartenzwerge bei Rebellion setzt sich mit "Zwergenwut", für die man alle zehn in Wyndham verstreuten Gartenzwerge zerstören muss, fort. Für eine Trophäe, "Reparieren und Flicken" benötigt man ein spezielles Waffenhandbuch, das es bei Morris Wick im Dorfladen von Wyndham nach einem gewissen Storyfortschritt zu tauschen gibt. Es ist daher ratsam, Morris nicht an das Militär in Wyndham zu verraten, wenn man einen entsprechenden Hinweis auf seine kriminellen Tätigkeiten gefunden hat. Stattdessen sollte man ihn informieren, dass man über seine Machenschaften Bescheid weiß. Er bietet dann als Gegenleistung dafür, dass wir ihn nicht verpfeifen, das Waffenbuch an. Alternativ kann man das Fertigkeitshandbuch aber auch in der Welt finden.

Theoretisch sind alle Trophäen, für die man mit einem NPC fliehen muss, verpassbar, da man jeden von ihnen töten bzw. eine Fluchthelferin, Dr. Garlow, auch unter anderen Umständen sterben kann. Wenn man regelmäßig speichert, kann man im Ernstfall immer noch einen Save laden und eine andere Entscheidung treffen.

 

Da es keine Trophäen für das Abschließen des Spiels auf bestimmten Schwierigkeitsgraden gibt und man jederzeit manuell speichern kann, ist die Schwierigkeit für das Erspielen der Platin im überschaubaren Bereich. Mit Guide für die Comics liegt die Schwierigkeit der Einschätzung des Autors nach im Bereich von 3/10. Wenn man alle Comics selbst suchen will, kann man einen Punkt dazugeben.

Wie bei Rebellion üblich, ist nach Release des Spiels mit DLCs zu rechnen. Im Gegensatz zu Sniper Elite Resistance, bei dem zu Release gleich der erste DLC veröffentlicht wurde, gibt es aktuell noch keine konkreten Hinweise auf einen Veröffentlichungstermin, abgesehen von der Auswahlmöglichkeit "DLC" im Hauptmenü.

 

Fazit

Mit Atomfall gelingt es Rebellion tatsächlich, ein eigenständiges, frisches Spielerlebnis zu schaffen. Es ist nicht abzustreiten, dass bei manchem Aspekt Spiele wie Fallout oder Stalker Pate gestanden sind, aber dank des innovativen Hinweissystems hebt sich Rebellions neuestes Werk von den Vorbildern stark genug ab, um eigene Akzente zu setzen. Das Hinweissystem gibt dem Spieler weitreichende Freiheiten, wie man mit den verfügbaren Informationen umgeht und motiviert in Kombination mit dem Crafting- und Charakterentwicklungssystem bis zum Schluss, jeden Bereich genau zu erkunden und die Geheimnisse rund um Windscale und Oberon aufzudecken. Die Freiheiten spiegeln sich auch in den 6 verschiedenen Enden des Spiels und der Tatsache wider, dass selbst, wenn man alle wichtigen NPCs töten sollte, es trotzdem noch eine Möglichkeit gibt, das Spiel abzuschließen. Wenn man gerne experimentiert, liegt man hier genau richtig. 

Das Spiel war bereits in der Review-Fassung fast bugfrei, auch das ist positiv zu werten. Atomfall kann auch mit einer gut designten und schön in Szene gesetzten Welt punkten, selbst wenn die PS5 definitiv nicht ausgereizt wird, auch weil die Vorgängerkonsolen ebenfalls bedient werden.

Ein Manko, das auch zu einem gewissen Teil dem Hinweissystem geschuldet ist, ist die an Höhepunkten arme Geschichte. Das Geheimnis um Windscale und Oberon wird zwar gelüftet, da es aber keinen festgelegten Plotablauf gibt und Rebellion vollständig auf Cutscenes verzichtet, fehlt es an bestimmten Punkten der Story an Dramatik. Hier wäre, besonders im Hinblick auf die Rekonstruktion der Ereignisse, die 5 Jahre zuvor zum Desaster geführt haben, eine wesentlich bessere Inszenierung, als dies mit Texten und Audiobotschaften erreicht werden kann, möglich gewesen. Der recht geringe Umfang des Spiels, das man selbst bei genauer Erkundung in 20 bis 25h durch hat, ging hingegen nicht in die Bewertung ein, ganz einfach, weil es eine Spielspaß- und keine Spielzeitbewertung ist.

 

8/10

 

 

Euer

Trophies.de-Team

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Bearbeitet von glupi74
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Geschrieben

Sehr guter Test, macht auf jeden Fall Lust auf das Spiel :yesnod:

Ich war zuvor wirklich skeptisch, ob es nicht zu nah an Fallout wäre... Aber durch das offene System mit den Hinweisen klingt das schon sehr gut. Bisschen wie Fallout 76, aber doch auch irgendwie anders^^

Packe es auch mal auf meinen großen Haufen noch zu spielender Spiele :derp:

 

Geschrieben

Der Test ist fantastisch! Obwohl das Spiel mich eher nicht interessiert hat hätte ich es jetzt gekauft... wenn es nicht 1st Person wäre xD

Ich spiele zwar selten 1st Person aber da muss echt alles stimmen (oder es darf so gar nix stimmen, siehe ZombiU xD) und vorallem darf mir nich schlecht werden.

Aber die Sache mit den Telefonzellen und das alles sowie die Spielwelt klingen echt gut :ph34r:

Geschrieben

Danke! Ich weiß jetzt natürlich nicht, wie empfindlich du bist, aber Atomfall ist vom Gameplay her ja nicht sonderlich schnell oder hektisch (also kein Bioshock Infinite), da sollte es keine Probleme geben.

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